Der Ü



Der Ü hieß eigentlich Pluto, aber aus Pluto wurde Plü und aus Plü wurde der Ü. Er war nicht mein Hund, er gehörte meiner Tochter Mareike, aber ich mochte ihn ganz besonders gerne, vielleicht auch weil er so ein Pechvogel war. Er war das Produkt einer wahllosen Verpaarung, die, wie sich herausstellen sollte, eine ungünstige Kombination von Eigenschaften an die Nachkommen vererbte. Seine erste Besitzerin  war zwar freundlich und bemüht, aber völlig unfähig diesem wunderschönen, großen, kraftvollen, aber sehr unsicheren Hund die Führung und Bindung zu vermitteln, die er dringend brauchte. Und so wurde sein Verhalten immer unsicherer und unberechenbarer und gipfelte schließlich in einer sehr unerfreulichen Begegnung, bei der der angebundene Ü von einem völlig fremden Mann angefaßt wurde und zuschnappte.

Nur mit ganz viel Glück und der Cleverness einer  Frau entging er der Einstufung als gefährlicher Hund. Seine Besitzerin fühlte sich nun endgültig überfordert und gab ihn ab. Sie schob ihn aber nicht ins Tierheim ab, sondern wandte sich an eine Hundeschule und so kam der Ü zu Mareike um zu lernen. Durch konsequente Regeln, klare Führung und das Mantrailing gewann er schnell an Sicherheit und Selbstbewußtsein und es war toll zu sehen, wie stolz ihn seine Leistungen machten. Er hat übrigens nie wieder  Agressionen gezeigt, er kam ausgezeichnet mit Kindern zurecht und eine seiner besten Freundinnen war eine geistig schwer behinderte ältere Frau, von der er sich hingebungsvoll kraulen ließ.

Dann zog er mit Frauchen und seinen beiden Hundefreundinnen in die Tiroler Alpen und hier blühte der Ü so richtig auf. Es ging ihm prima. Bis das große Unglück geschah. Es passierte bei einem Spaziergang in den Bergen. Um auf schnellstem Wege zu  Frauchen zu gelangen, lief er nicht den Weg zurück, den er gekommen war, sondern sprang fast sechs Meter in die Tiefe!!!!!!!!!
Dabei verletzte er sich seine Beine so schwer, daß man nichts mehr für ihn tun konnte. Jedenfalls nichts, was ihm noch ein artgerechtes Hundeleben ermöglicht hätte. Vier Tage hat Mareike gebraucht, um sich damit abzufinden, daß sie ihn um seinetwillen gehen lassen mußte.
Und so starb der Ü im Garten in der warmen Sonne liegend ganz ruhig und friedlich, den Kopf in Frauchens Schoß und im Bauch die größte Fleischwurst der Welt. Er hätte jederzeit sein Leben für sie aufs Spiel gesetzt und ich bin ganz sicher, wenn es die Regenbogenbrücke gibt, was wir ja alle hoffen, dann wartet er dort bis........... Wir werden ihn nie vergessen und ihn so in Erinnerung behalten, wie er jetzt zum Schluß war, fröhlich, voller Power und glücklich. Er wurde nur fünf Jahre alt.